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Impact Factor

Der Impact Factor eines Journals gilt als Maßzahl für seine Bedeutsamkeit: Je höher er ausfällt, desto größer das Renomée einer Fachzeitschrift. Für die Verbreitung der Meme in der Wissenschaftsgemeinde ist nicht die Auflage oder der Verteilungsweg entscheidend, sondern die Anzahl der Zitationen. Die Annahme, dass bedeutsame Arbeiten von Kollegen häufiger zitiert werden, und die Summe der Zitationen für ein bestimmtes Journal, den Verbreitungsgrad und so seine Durchschlagskraft messen, scheint naheliegend und die Berechnung gradezu simpel.

Wie berechnet sich der Journal Impact Factor (JIF) einer Zeitschrift?

In der 60er Jahren berechnete das Institute for Scientific Information (ISI), das heute zu Thomson Reuters gehört, erstmalig den JIF. Der Journal Impact Factor ist der Quotient zweier Kennwerte (JIF = A/ B). Ein Berechnungsbeispiel für den Impact Factor eines Journals im Jahre 2011.

  • A = Anzahl Zitationen im Jahre 2011 für alle Paper, die zwischen 2009 und 2010 in einem bestimmten Journal erschienen sind und
  • B = Gesamtzahl aller Beiträge, die im selben Zweijahreszeitraum erschienen sind.

Es ist zu beachten, dass der JIF für 2011 erst 2012 veröffentlicht wird und der aktuelle JIF, der von 2010 ist. Da der JIF in der Regel auf einem drei Jahreszeitraum beruht, schlagen Veränderungen im Editorial Board oder andere strategische Richtungswechsel auch erst mit einer Verzögerung von 2-3 Jahren zu Buche.

Wo finde ich denn eine Übersicht über die wichtigsten psychologischen Zeitschriften?

Der Impact Factor ist ein wohl behütetes Geheimnis der Firma Thompson Reuters. Zwar steht der IF meistens auf den Internetseiten eines Journals, aber komplette Listen tauchen immer nur für kurze Zeit im Netz auf und verschwinden wegen Copyright-Verletzungen genauso schnell wieder. Aktuell gibt es eine Liste mit den 25 Top-Journals der Psychologie, von denen übrigens 11 einen psychiatrischen oder klinischen Schwerpunkt haben.

Eigent sich der Impact Factor als Kriterium zur Bewertung von Zeitschriften oder gar Personen und Instituten?

Die Frage ist leider nicht so einfach zu beantworten wie es scheint. Es gibt verschiedene Kritikpunkte an der Berechnung des JIF, v.a. das 2-Jahres-Zeitfenster und der Umgang mit Eigenzitationen, also Zitationen durch das eigene Journal. Egloff (2006) weist darauf hin, dass bei kleineren Zeitschriften Editorials zu erheblichen Verzerrungen des Impact Factors führen können. Wenn 2011 sämtliche Arbeiten des Journals aus dem Jahr 2010 vergleichend beschrieben und dann zitiert werden, erhöht sich der IF um 0.5 Punkte. Mittlerweile bietet Thompson Reuters einen um die Eigenzitationen bereinigten Kennwert an, der jedoch nicht immer angegeben wird. Diese und weitere Kritikpunkte finden sich in folgenden Arbeiten:

  • Anseel, F., Duyck, W., De Baene, W. & Brysbaert, M. (2004). Journal impact factors and self-citations: Implications for psychology journals. American Psychologist, 59, 49–51. [Link zum paper]
  • Egloff, B. (2006). Einige Anmerkungen zum Impact Factor. Psychologische Rundschau, 57 (2), 116-118. [Der Artikel kann über die Seite des Autors heruntergeladen werden.]
  • Montada, L. (1998). Fug und Unfug in der Bewertung der Impactfaktoren von Zeitschriften. Psychologische Rundschau, 49 (4), 228-230.
  • Westmeyer, H. (1998). Zur Bedeutung der sogenannten Impact-Faktoren. Psychologische Rundschau, 49 (4), 227-228.

Gibt es Alternativen zum Impact Factor von Thompson Reuter?

Eigenfactor.org: Ranking and mapping scientific knowledgeJa, gibt es. Mein Favorit ist das Projekt Eigenfactor, das unter http://eigenfactor.org seit März 2007 erreichbar ist und zum Fachbereich Biologie der University of Washington gehört. Zur Bestimmung der Kennwerte, greifen Eigenfactor.org neben den rund 7.000 Fachzeitschriften des Journal Citation Reports (JCR), also den Zeitschriften, die auch Grundlage der Berechnung des Impact Factors sind, zusätzlich auf mehr als 115.000 Referenzen aus Zeitungen, Zeitschriften, Disserationen, etc. zurück.

Eigenfactor und Article Influence für IntelligenceDas Layout der Einstiegsseite ist prototypisch für eine Suchmaschine übersichtlich gehalten: Einfach Name des Journal eintippen, suchen und ein weiteres Mal auf das Suchergebnis klicken. Dann werden für jedes Journal zwei Indizes berichtet: Der Eigenfactor (EF) und der Article Influence (AI).

Der EF ist dabei das Maß für den generellen Einfluss eines Journals auf die Wissenschaftsgemeinde. Hier gilt jedoch das Motto „Klasse statt Masse“, denn durch die reine Verdoppelung der Auflage, verdoppelt sich auch der EF eines Journals. Der AI hingegen, der am ehesten mit dem IF vergleichbar ist, misst den durchschnittlichen Einfluss eines jeden Artikels im Verlauf der ersten fünf Jahre nach seinem Erscheinen. Der AI-Wert ist standardisiert, so dass der durchschnittlich Artikel in der gesamten JCR-Datenbank einen AI-Wert von 1 besitzt. Im Jahre 2010 lag der AI von Intelligence beispielsweise bei 1.2745. Das bedeutet, dass im Vergleich zum Durchschnittsjournal der JCR der durchschnittliche Intelligence-Artikel den 1.2745-fachen Einfluss aufweist (vgl. auch die FAQ-Seite).

Zum eigentlichen Algorithmus, zur Visualisierung und zu weiteren Einzelheiten der Eigenfactor-Metrik bieten die Autoren, West und Bergstrom, eine Vielzahl an papern, die in hochrangigen Journals – sowohl IF als auch AI 🙂 – erschienen sind, zum Download auf ihrer Website an.